Liebe Freunde und Familie,
in Jaipur machte sich zum ersten Mal unser Magen bemerkbar – insbesondere meiner (Jessi). Nach anfänglichen leichten Bauchschmerzen über den Tag und die erste Nacht hinweg, wurde es am Morgen deutlich schlimmer. Es hatte also gerade mal sechs Tage gedauert, bis ich mir die erste Magen-Darm-Erkrankung eingefangen hatte.
An einen Tag mit Ausflügen zu den Sehenswürdigkeiten in Jaipur war daher nicht zu denken. Der Hunger war mir vergangen, und ich pendelte zwischen Bett und Toilette hin und her.
Sascha war früh am Morgen losgezogen, um mir Bananen und ausreichend Wasser zu besorgen, damit ich den Flüssigkeitsverlust ausgleichen konnte. Zum Glück hatten wir in unserem Gepäck mehr als genug Medikamente für genau diesen Fall. So schluckte ich fleißig Hefe- und Kohletabletten, um wieder auf die Beine zu kommen. Sascha blieb den ganzen Tag über bei mir im Zimmer und leistete mir Gesellschaft. Mit Büchern und Filmen bewaffnet, schafften wir es, die Zeit herumzubringen. Am Abend ging es mir dann so weit besser, dass wir uns sogar ins Restaurant trauten.
Während Sascha sich ein leckeres Curry gönnte, blieb ich vorsichtshalber bei Reis, Sauerteigbrot und Hummus, um meinen Magen nicht zu überfordern. Der kleine Ausflug tat mir dennoch gut. Die Bewegung machte mir wenig aus, und ich konnte den Abend genießen. Wieder zurück im Hotel half eine heiße Dusche und das kuschelige Bett dabei, dass es mir noch besser ging. Schließlich beschlossen wir, im Hotel eine weitere Nacht zu bleiben, um am nächsten Tag in Ruhe Jaipur erkunden zu können.
Der nächste Morgen begann mit deutlich mehr Wohlbefinden. Sunil, unser Fahrer, wartete vor dem Hotel mit einer Flasche Wasser und ein paar Bananen auf uns. Er hatte sichtlich Mitleid mit mir und versprach, besonders vorsichtig und langsam zu fahren.
Unser erstes Ziel des Tages war die Festung von Jaipur: das Amber Fort.
Zum Eingang der Festung führen drei Wege:
- Ein steiler Fußweg,
- ein Ritt auf einem Elefanten oder
- eine Fahrt mit dem Auto bis kurz unterhalb des Haupttores, von wo aus man den Rest zu Fuß geht.
Da wir auf Elefantenritte verzichten wollten – auch in Reiseführern hatten wir von eher fragwürdigen Zuständen für die Tiere gelesen – und meine Waden immer noch leicht krampften, entschieden wir uns für die dritte Option. Sunil manövrierte sein Auto durch die engen Gassen unterhalb der Festung und setzte uns 15 Minuten später am Eingang ab. Für 503 Rupien Eintritt pro Person ging es für Sascha und mich ins Innere.
Das Fort ist beeindruckend gut erhalten, und wir begegneten mindestens vier Hochzeitspaaren, die hier ihre Hochzeitsvideos drehen ließen. Die Bräute in ihren langen, farbenprächtigen Saris sahen einfach wunderschön aus. Ich habe euch mal ein solches Video verlinkt, damit ihr einen Eindruck davon bekommt:
Da ich mich zwischendurch noch nicht ganz fit fühlte, legten wir immer wieder Pausen auf den umliegenden Bänken ein, genossen die Sonne und bewunderten das prachtvolle Bauwerk, das in seiner ganzen Schönheit kaum auf Fotos einzufangen ist.
Anschließend ging es für uns weiter zum nahegelegenen Nahargarh Fort. Dieses liegt etwas südlich vom Amber Fort, ist deutlich günstiger im Eintritt und bietet eine schöne Aussicht über Jaipur. Überraschenderweise fanden wir dort sogar einen Geldautomaten – für uns die bisher “modernste” Festung. Bargeld war wieder dringend nötig, da viele Restaurants und Sehenswürdigkeiten keine Kartenzahlung akzeptieren.
Danach machten wir einen kurzen Stopp am Wassertempel von Jaipur, der außerhalb der Stadt liegt. Während der Trockenzeit ist er fast vollständig zugänglich, in der Monsunzeit (etwa September/Oktober) hingegen steht die Hälfte des Palastes unter Wasser. Leider war es so hell, dass unsere Fotos nicht besonders gut wurden. 😞
Anschließend besuchten wir den Affentempel von Jaipur, der etwas außerhalb liegt. Allgemein gibt es in den großen Städten viele Affen, und wir hielten immer ausreichend Abstand – man hört ja oft, dass sie Sonnenbrillen, Taschen oder Essen stehlen.
Doch was uns am Affentempel besonders schockierte, war der Zustand des Geländes. Obwohl dort viele Menschen lebten, waren die Gebäude in einem äußerst schlechten Zustand. Der Bereich, in dem die Affen sich rund um den Tempel frei bewegen, war voller Stacheldraht, und wir sahen einige verletzte Tiere. Babyaffen wurden Touristen sogar angeboten, um sie auf die Schultern zu setzen, aber wir blieben auf Abstand. Wir ließen die Verwahrlosung des Ortes kurz auf uns wirken und beschlossen dann, den Tempel zu verlassen.
Zum Abschluss brachte uns Sunil zu einer kleinen Stofffabrik, für die Jaipur bekannt ist. Hier werden Stoffe noch traditionell mit großen Holzstempeln bedruckt und anschließend an große Hersteller verkauft. Wir bekamen eine Führung durch die kleine Werkstatt, in der etwa 15 Personen arbeiteten. Uns wurde sogar ein maßgeschneiderter Anzug für 250 Euro angeboten – fertiggestellt in nur fünf Stunden! Ein tolles Angebot, aber da wir keinen Platz im Gepäck hatten und der Versand nach Deutschland 20–40 Euro gekostet hätte, verzichteten wir. Stattdessen kauften wir ein Strandtuch für unseren bevorstehenden Aufenthalt in Kambodscha. 😊
Man muss schon sagen, eine Gehwegkultur gibt es in diesem Land irgendwie nicht. Besonders in Jaipur werden die Gehwege oft als Ladenfläche genutzt, weshalb wir häufig auf die Straße ausweichen mussten – mitten hinein in den Verkehr aus Mopeds, Autos und TukTuks. Auf dem Basar dröhnte uns das ständige Hupen der Fahrzeuge fast die Ohren ab. Dicht an dicht drängten sich Menschen und Mopeds an den Ständen vorbei, was die ohnehin chaotische Atmosphäre noch verstärkte.
Obwohl in Jaipur deutlich weniger Menschen leben als in Delhi, mussten wir feststellen, dass uns die Stadt weniger zusagte als die Hauptstadt. Jaipur hinterließ bei uns den Eindruck, viel stärker auf das Geschäftliche fixiert zu sein – ein Gefühl, das wir in Delhi so nicht hatten.
Zurück im Hotel blieben wir nicht lange wach. Stattdessen packten wir unsere Rucksäcke für die frühe Abfahrt am nächsten Morgen, um rechtzeitig nach Pushkar aufzubrechen.
Liebe Grüße aus Indien!
Jessi & Sascha